Orthobionik: Praktikum bei Ottobock Irland

Mein Name ist Jakob Geisler, ich bin im 6. Semester Orthobionik und habe eines meiner Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums bei Ottobock Irland absolviert. Zuvor hatte ich mehrere freiwillige Praktika in Deutschland absolviert, sodass ich die Freiheit des Studentenlebens nutzen wollte, um mich nicht nur in meinen fachlichen, sondern auch persönlichen und sprachlichen Kenntnissen weiterzuentwickeln.

Praktikum im Orthobionik-Studium

In dem Zeitraum zwischen dem sechsten und siebten Semester haben wir die Möglichkeit in einem Unternehmen ein 16-wöchiges Praktikum oder in zwei unterschiedlichen Unternehmen jeweils acht Wochen Praxiseinsatz zu absolvieren. Da ich mich im zweiten Zeitraum auf meine Endanfertigungsstücke vorbereiten wollte, blieb nur die Möglichkeit eines achtwöchigen Praktikums.

Bewerbungen bei Ottobock Gesellschaften

Ich habe mich weltweit bei einigen Ottobock Gesellschaften in Australien, Kanada, den USA und Irland für die Patientenversorgung beworben. Der erste Kontakt lief über Ottobock Deutschland und hat wunderbar geklappt. Auf der Ottobock Internetseite sind für das Ausland keine Praktikaplätze ausgeschrieben, deshalb kann ich nur empfehlen, eine Initiativbewerbung zu schreiben. In Duderstadt waren sie immer sehr interessiert daran, etwas Passendes zu finden und den weiteren Kontakt herzustellen. Zum Problem wurde da für mich persönlich, dass entweder der Zeitraum zu kurz war, für Australien braucht man mindestens sechs Monate, oder keine eigene Patientenversorgung, wie z.B. in den USA, vorhanden war.

Ottobock Irland

Der Kontakt zu Ottobock Irland war unkompliziert. Es gab einen kurzen E-Mail-Austausch, um den Zeitraum und wichtige allgemeine Dinge zu klären und schon stand einem Auslandspraktikum nichts mehr im Wege. Eine offizielle Bestätigung habe ich auf telefonische Nachfrage erhalten. Bevor man ein Praktikum im Ausland anstrebt und sich bewirbt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es mit Zusatzkosten verbunden ist. Hier ein paar Tipps, um Geld zu sparen:

  • Das WG-Zimmer oder die Wohnung in Deutschland über Airbnb untervermieten.
  • Günstigen Flug vom Flughafen Hamburg oder Frankfurt nach Dublin buchen.
  • Man benötigt eine Auslandskrankenversicherung. Am besten mit der eigenen Krankenkasse klären, ob man im europäischen Raum automatisch versichert ist oder ob man einen günstigen Tarif dazu buchen kann.
  • Den Ansprechpartner bei Ottobock fragen, ob er sich nach einem Zimmer-Angebot umhören kann. Das reduziert die Wohnkosten und man hat eventuell direkt einen persönlichen Kontakt durch die Vermietung.

Grünes Dublin

Dublin ist eine sehr schöne, grüne und abwechslungsreiche Stadt. Meine persönlichen Tipps für Dublin:

  • Die vielen Parks besuchen, vor allem der Phoenix Park ist super zum Joggen oder Relaxen.
  • Anstatt mit dem Bus zu fahren, lieber ein Rad leihen oder ein altes günstiges kaufen.
  • Für Kletterfans: Etwa 10 Fahrradminuten von Ottobock entfernt, gibt es große Kletter-/Boulderhalle.
  • Tolle Ausflugsziele sind Howth (Halbinsel im Norden) und Fairy Castle (Berge im Süden von Dublin).
  • Irland erfüllt definitiv das Klischee mit dem windigen Schmuddelwetter, wetterfeste Kleidung ist also ein Must-have. Im Sommer braucht man aber auch Sonnencreme. 😉
  • Alkohol ist sehr teuer, ansonsten kann man aber preisbewusst einkaufen.

Das Praktikum bei Ottobock Irland

Ottobock Irland ist der größte orthetische und prothetische Versorger Irlands, trotzdem arbeiten dort nur knapp zehn Orthopädie-Techniker und zehn Meister. Man muss dazu sagen, dass Irland doch deutlich weniger Einwohner als Kühe und Schafe hat. 😀 Die Kollegen bei Ottobock haben mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und sofort mit in den Arbeitsalltag integriert. Vom Herstellen von Schäften bis hin zum vollständigen Versorgungsprozess, durfte ich in allen Stadien selbstständig mitwirken und arbeiten. Ich konnte immer Fragen stellen und habe Antworten und vor allem wertvolle Tipps bekommen. Manchmal wusste ich die englischen Begriffe für spezielles Werkzeug nicht, aber da kommt man schnell rein.

Was mir richtig gut gefallen hat, war der Kontakt zu den Patienten. Es war eine schöne Erfahrung, die Freude von Anwendern mitzuerleben, wenn sie das erste Mal seit langer Zeit wieder ohne Gehhilfen laufen konnten. Man hat richtig gemerkt, was für ein Erfolgserlebnis das für sie war. Etwas traurig gestimmt hat mich manchmal die Tatsache, dass Kinder, die entweder sehr hoch oder beidseits amputiert waren, keine normale Kindheit haben können, wie ich persönlich sie hatte.

Trotzdem würde ich diese Zeit nicht missen wollen und würde das Praktikum in Irland jederzeit wieder machen. Ich rate jedem, der die Chance hat, solch eine Erfahrung zu machen, sie auch zu nutzen.

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